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"Geht euren Weg"

Südwest Presse Ehingen 04.02.2012

Mit Realschulabschluss zum Medizinstudium? Elif Özkahraman hat diesen Weg beschritten.

"Wenn man es will, muss man es durchziehen und tun",sagen sie und zwei weitere ehemalige Realschüler vor Zehntklässlern.

Drei Studenten, drei völlig unterschiedliche Studienrichtungen und Wege, wie sie zum Studium gekommen sind. Doch eines haben Elif Özkahraman, Hatice Hamdemir und Frank Partsch gemeinsam: Sie waren Realschüler und sind nun Studienbotschafter. Sie wollen Realschüler motivieren, den Traum von der akademischen Ausbildung zu verwirklichen und die höchst unterschiedlichen Pfade dorthin aufzeigen. In Ehingen erzählten sie vor Zehntklässlern ihre zum Teil abenteuerlichen Werdegänge und brachten einiges Infomaterial mit, um den Weg von der Realschule zur Hochschulreife aufzuzeigen.

"Wir sind den gleichen Weg gegangen wie ihr, da kann man noch alles erreichen", sagt etwa Elif Özkahraman. Die heutige Medizinstudentin an der Universität Ulm war nach der Schule unschlüssig, was sie tun sollte. "Mama riet mir zum Technischen Gymnasium." Obwohl es der damals 16-jährigen mit türkischem Migrationshintergrund dort nicht gefiel, blieb sie ein Jahr, fiel dann aber durch die Prüfungen. Es folgten zwei Jahre auf dem Berufskolleg mit Richtung Betriebswirtschaftslehre. Kurz vor dem Abschluss erlitt ihr Vater einen Schlaganfall. Danach war ihr dann klar, dass sie unbedingt Medizin studieren wollte.

Parallel zu einer Lehre - als Absicherung - paukte sie weitere zwei Jahre am Abendgymnasium fürs Abitur. "Das war echt heftig." Um die hohen Zugangsanforderungen an deutschen Unis zu umgehen, studierte sie anschließend die ersten beiden Jahre Medizin in Ungarn - mit Vorlesungen und Seminaren auf englisch, deutsch und ungarisch. Danach konnte sie an die Uni Ulm wechseln, wo sie jetzt in ihrem siebten Semester steht. "Mit euren Eltern reden ist wichtig, aber ihr müsst eure Interessen durchsetzen", appelliert sie an die Schüler.

"Geht euren Weg", sagt auch Frank Partsch. Seiner führte ihn an die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Heidenheim, wo er Maschinenbau im fünften Semester studiert. Den Praxisanteil dazu absolviert er in einem Babenhausener Betrieb. Allerdings nahm auch er einige Umwege. Nach der Schule wollte er eigentlich Fachinformatiker werden. "Aber ich hatte ein zu schlechtes Zeugnis." Also fing er eine Lehre als Industriemechaniker an. "Da habe ich gemerkt, was es heißt, sein Leben selbst zu finanzieren und acht Stunden am Band zu stehen." Letzteres wollte er nicht 40 Jahre lang machen. Nach dreijähriger Ausbildung besuchte Frank Partsch deshalb die Technische Oberschule. "Ich war nicht mehr im Lernen drin, bin im ersten Jahr fast durchgefallen." Schon während der Schulzeit, die er mit einem "halbwegs guten Abi" abschloss, und während der Zivildienstzeit schrieb er rund 70 Bewerbungen für das duale Studium an verschiedene Firmen. Schließlich bekam er zwei Stellen angeboten. "Wäre ich in meinem Beruf geblieben, wäre ich nicht glücklich geworden", sagt er heute. "Wenn ihr eine Ausbildung angefangen habt und nach einem Jahr feststellt, das ist nichts, dann ist das eine Erkenntnis, auch wenn es vorläufig ein Rückschritt ist."

Auf jede Menge Praktika schon während der Schulzeit blickt Hatice Hamdemir zurück. Ob nur ein paar Tage oder länger, ob beim Frisör, in der Kantine, in der Zahnarztpraxis oder im Ordnungsamt, "ich kenne mich fast überall ein bisschen aus". So wusste sie auch schnell, dass sie ihren einstigen Traumberuf der Frisörin nicht ergreifen will. Sie bewarb sich nach der Realschule fürs Gymnasium, wurde aber nicht genommen und lernte deshalb am Berufskolleg Hauswirtschaft. Mittlerweile ist sie an der Fachhochschule Albstadt-Sigmaringen, steht im Studienfach Lebensmittel, Ernährung, Hygiene kurz vor dem Abschluss. Praxissemester bestritt sie bei Ratiopharm und bei Bayer. "Ich kann mir meinen Job einmal aussuchen", ist sie überzeugt und "will alle ermutigen", den Schritt zum Studium zu wagen, wenn man davon träumt. "Ich habe an der Realschule auch nicht so gute Noten gehabt"...

Auch das Geld dürfe kein Hinderungsgrund sein, sagten die Studenten. Da gebe es viele Finanzierungsmöglichkeiten, vom Nebenjob - auch an der Hochschule - über Bafög oder die Eltern bis zum dualen Studium mit einer Ausbildungsvergütung.

Artikel: Werner Gallbronner



 Autor: Ann-Kathrin Schaude -- 08.02.2012; 12:54:49 Uhr

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